Ausgrabungen auf dem "Lug ins Land"

Der 816 m hohe Lug ins Land liegt hoch über der Ortschaft Molzbichl und bietet einen prächtigen Ausblick über das Drautal. Der in der Region nicht heimische Name Lug ins Land ist jung und dürfte mit der einsetzenden Sommerfrische am Ende des 19. Jahrhunderts in Zusammenhang stehen. Die ältere Bezeichnung Zmölnigkofel ist noch heute lokal geläufig. Im Mittelalter hieß die markante Anhöhe Stermitz (slawisch: steiler Abhang).

Der Lug ins Land (markiert) oberhalb von Molzbichl. Foto A. Huber
Mauerreste auf dem Lug ins Land

Archäologische Grabungen, die vom Verein „Historisches Molzbichl“ ins Leben gerufen und finanziert wurden, haben unser Wissen über die 3000 m² große und in Terrassen gegliedert Anlage bedeutend erweitert. Die ältesten Funde stammen aus der Kupferzeit (3. Jahrtausend v. Chr.). Ein Wall-Graben-System und erste umfangreiche Terrassierungsmaßnahmen reichen in die Bronze- oder Hallstattzeit (1200 - 600 v. Chr.) zurück. Auch für die späte Latènezeit (1. Jh. v. Chr.) lässt sich über Keramikfunde Siedlungstätigkeit nachweisen.

Die Ausgräberin geht davon aus, dass die vorgeschichtlichen Strukturen in der Spätantike (4. - 6. Jh. n. Chr.) adaptiert und nach einem Brand erneut verändert wurden. An zwei Seiten umgab man das Plateau mit einer massiven Mörtelmauer, die heute noch teilweise erhalten ist. Die Baumaßnahmen scheinen aber unvollendet geblieben zu sein, da eine Innenbebauung nicht nachgewiesen werden konnte.

Ausgrabungen Lug ins Land
Der Lug ins Land (markiert) mit dem Egelsee. Foto: D. Sochor

Neue Forschungen des Archäologen Paul Gleirscher lassen aber noch eine andere Interpretation zu. Seiner Deutung zufolge wurde die Kuppe des Hügels zwar schon in der Spätantike besiedelt, blieb aber unbefestigt. Das für spätantik gehaltene Bauwerk dürfte erst im Zuge der Türkenabwehr, im späten 15. Jahrhundert geschaffen worden sein. Damit ähnelt der Lug ins Land spätmittelalterlichen Befestigungsanlagen, wie sie aus Osttirol bekannt sind.

Wann die kleine Befestigung also genau entstanden ist und welche Funktion sie hatte, bleibt vorerst noch ungewiss. Sie bestätigt jedenfalls die Bedeutung des Molzbichler Raumes von der Vorgeschichte bis in die frühe Neuzeit.

 Literatur:

Kordula Gostencnik, Die Ausgrabungen auf dem „Lug ins Land“ bei Molzbichl von 1992-1995. Ein Vorbericht. Carinthia I 190, 2000, 101-112.

Paul Gleirscher, Keltisch, frühmittelalterlich oder türkenzeitlich? Zur Datierung einfach strukturierter Wehranlagen im Südostalpenraum. In: Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich 26, 2010, 7-32.